Kolja Naumow

* Geboren 3. November 1920 (Kirschatsch, Russland) - Gestorben 24. August 1943
Porträtbild Kolja
Im Oktober 1940 wird der zwanzigjährige Kolja Offiziersschüler der Roten Armee und nach seiner Ausbildung in der Nachrichtenübermittlung eingesetzt. Nur vier Wochen nach dem Angriff der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion gerät Kolja im Juli 1941 in deutsche Kriegsgefangenschaft. Er wird ins Deutsche Reich verschleppt und leistet Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie. Unterernährt, ausgezerrt und an Tuberkulose erkrankt, wird Kolja im August 1943 zum Sterben in das Kriegsgefangenenlazarett Zeithain überstellt. Von den insgesamt etwa fünf Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen, die den Nationalsozialisten als »slawische Untermenschen« gelten, kommen etwa drei Millionen um. Viele von ihnen wurden wie Kolja in einem Massengrab verscharrt.
  • 3. November 1920
    Geburt
  • August 1941
    Kriegsgefangenschaft
  • Juli 1942
    Zwangsarbeit
  • 24. August 1943
    Zeithain
Foto eines Türriegels, Symbolbild Kapitel 1, von Christin Franke
Kapitel 1
Kolja sah seine Klamotten auf der Straße liegen – ohne Vorwarnung.

Als der neunjährige Kolja und seine Schwester Maria eines Tages aus der Schule kamen, durften sie ihr Elternhaus plötzlich nicht mehr betreten. Das gesamte Eigentum von Koljas Eltern war beschlagnahmt worden. Ihre persönlichen Gegenstände lagen auf der Straße.

Foto von Kolja und seiner Schwester Maria
Kolja (sitzend) und seine Schwester Maria, 1928. Die Treppe führt zu dem Haus, in dem sie lebten. Zwei Jahre später durften die Geschwister es nicht mehr betreten.
Was war geschehen?

Koljas Vater war zum »Klassenfeind« erklärt worden. In dieser Zeit sollten in der Sowjetunion die Gegensätze zwischen Armen und Reichen aufgehoben werden. Daher beschlagnahmte man von vielen russischen Fabrikbesitzer/-innen die Fabriken. Auch das Land, die Häuser und das Vieh wohlhabender Bauernfamilien ging in den Besitz des sowjetischen Staates über. In vielen Fällen, vor allem wenn sie sich weigerten, wurden ehemals reiche Bürger/-innen samt den Familienmitgliedern sogar nach Sibirien deportiert oder erschossen.

Bis dahin war Koljas Kindheit unbeschwert

Bis dahin hatte Kolja eine schöne Kindheit verbracht: Er war mit zwei älteren Schwestern aufgewachsen, Olga und Maria. Die Familie hatte in einem großen Haus gelebt. Es lag in Kirschatsch, mitten in Russland. Und die Rosen im Garten waren so schön, dass die Leute von weit her kamen, um sie sich anzuschauen. Familie Naumow war bei den Nachbar/-innen beliebt. Sie halfen ärmeren Menschen, die weniger besaßen als sie. Kolja hatte viele Freund/-innen; sein bester Freund hieß genau wie er und wohnte in der Nachbarschaft.

Aus dem Haus geworfen

Jetzt, 1930, war alles anders. Abrupt, ohne Vorwarnung. Kein Haus, kein Geld, nicht einmal Kleider oder genug zu essen. Die vertriebene Familie kam glücklicherweise bei Bekannten unter. Doch es war hart, immer von der Hilfe anderer abhängig zu sein.

Sieben Jahre später machte Kolja seinen Schulabschluss. Er stand vor der Berufswahl und wollte gerne Offizier werden. Doch dann platzten seine Träume. Denn die Kinder von »Klassenfeinden« durften nicht studieren. Sie sollten Fabrikarbeiter werden. Nur Menschen aus der Arbeiterschicht und treue Kommunist/-innen sollten studieren. Kolja blieb nichts anderes übrig: Widerwillig wurde er Schlosser – aber er hoffte, dass er eines Tages doch noch Soldat werden würde.

Von heute auf morgen durfte Kolja sein Zuhause nicht mehr betreten

Foto des Geburtshauses von Kolja
Das Haus von Alexander Naumow, Koljas Vater, in Kirschatsch. Hier wurde Kolja geboren.

Koljas Heimatstadt Kirschatsch liegt in Zentralrussland, neunzig Kilometer östlich der Hauptstadt Moskau. Die Familie von Koljas Vater war schon seit vielen Generationen in Kirschatsch ansässig. Die Naumows waren eine bekannte und geachtete Kaufmannsfamilie. Auch Koljas Vater, Alexander Naumow, handelte mit Waren. Er verdiente mit seiner Arbeit gut und konnte seiner Frau und seinen drei Kindern ein komfortables Leben ermöglichen. 1930 verlor er alles, was er sich erarbeitet hatte.

Koljas Vater wurde zum »Klassenfeind« erklärt

Foto einer Parade im Rahmen der Entkulakisierung
Parade im Rahmen der Entkulakisierung. Die Banneraufschriften lauten: »Wir werden die Kulaken als Klasse liquidieren« und »Alles für den Kampf gegen die Saboteure der Landwirtschaft«.

»Kulak« – dieses abwertende Wort rief man in der Sowjetunion wohlhabenden Bauern und ihren Angehörigen hinterher. Unter Staatsoberhaupt Josef Stalin verschärfte sich die politische Ansicht, dass ein Mensch nicht für sich allein, sondern zum Wohle der Gesellschaft und des Staates arbeiten solle. Die Reichen sollten die Armen nicht mehr ausbeuten können. Daher sollten die großen Gegensätze zwischen Armen und Reichen aufgehoben werden. Reich sollte ein sowjetischer Bürger nicht sein. 1929 ließ Josef Stalin deshalb alle Großgrundbesitzer/-innen zu »feindlichen Klassenelementen« erklären. Auch Koljas Vater war als Kaufmann mit Grundbesitz nun ein »Klassenfeind«.

Entkulakisierung?

In den folgenden Jahren, von 1929 bis 1933, fand die sogenannte Entkulakisierung statt. Unter Gewaltanwendung vertrieb die sowjetische Geheimpolizei wohlhabende Familien aus ihren Häusern. Gutsbesitzer/-innen wurden verhaftet und ihr Land ging in den Besitz des Staates über. Die Beschlagnahmung von Saatgut, Viehbeständen und Getreidevorräten führte später zu Hungersnöten. Familien, die sich weigerten, ihren Besitz aufzugeben, wurden in Arbeits- und Straflager geschickt oder sogar hingerichtet.

Das geschah mit Koljas Vater

Foto von Koljas Vater
Koljas Vater Alexander Alexandrowitsch Naumow mit 27 Jahren, 1907

Der Vater von Kolja, Alexander Naumow, war für seine Wohltätigkeit bekannt. So finanzierte er zum Beispiel den Bau eines Krankenhauses und unterstützte arme Menschen und Brandgeschädigte. 1930 wurde Koljas Vater enteignet und vertrieben. Er musste schwere Zwangsarbeit beim Bau des über 200 Kilometer langen Weißmeer-Ostsee-Kanals leisten. Das war ein künstlicher Kanal, der Leningrad (heißt heute Sankt Petersburg) und das Weißmeer im Norden Russlands verband. Mindestens 170.000 politische Häftlinge waren dort eingesetzt, etwa 25.000 von ihnen überlebten die schwere Zwangsarbeit nicht.

Ein Brief an Stalin

Fünf Jahre später kehrte Koljas Vater nach Kirschatsch zurück, fand als »Klassenfeind« jedoch kaum Arbeit. Schwer krank und verzweifelt schrieb er einen Brief an Josef Stalin, in dem er seine Situation erklärte: Er wollte und konnte arbeiten, aber niemand wollte ihn einstellen. Schließlich kam aus Moskau der Befehl, ihn als Lagerhalter in einer Weberei einzustellen. Dort arbeitete Koljas Vater bis zu seinem Tod im Jahr 1940.

Kolja wollte doch gar nicht Schlosser werden

Dokument über die erfolgreich abgeschlossene Ausbildung zum Schlosser für Reparaturen von Pressmaschinen
Nachweis über die erfolgreich abgeschlossene Ausbildung zum Schlosser für Reparaturen von Pressmaschinen, erworben nach einer Fabrik- und Betriebslehre im Betrieb »Roter Oktober« in Kirschatsch

Kolja träumte eigentlich davon, Offizier zu werden. Doch Kinder, deren Eltern als »Klassenfeinde« enteignet worden waren, durften sich nur in Fabriken und Betrieben ausbilden lassen. Obwohl er keine Lust dazu hatte, entschied sich Kolja schließlich, Schlosser zu werden. Nach seinem Schulabschluss im Oktober 1937 begann er eine Ausbildung beim Betrieb Roter Oktober in seiner Heimatstadt Kirschatsch. Roter Oktober war ein Industriebetrieb, der Auto- und Traktorenlichttechnik produzierte. Ende März 1939 schloss Kolja seine Ausbildung erfolgreich ab und arbeitete anschließend etwa eineinhalb Jahre in dem Betrieb weiter. Doch eines Tages, im Oktober 1940, erfüllte sich sein Traum doch noch: Kolja musste in diesem Jahr seinen Pflichtwehrdienst in der Armee ableisten.

Foto eines Strickes, Symbolbild Kapitel 2, von Christin Franke
Kapitel 2
Kolja wollte unbedingt kämpfen, doch er geriet in eine Falle.
Endlich Soldat

Drei Jahre lang hatte Kolja warten müssen, nun war es endlich soweit: Er wurde im Oktober 1940 in die Armee der Sowjetunion einberufen. Und nicht nur das: Er durfte jetzt sogar an einer Militärschule studieren, was ihm vorher verwehrt geblieben war. Kolja zögerte nicht lange. Bereits im Januar 1941 war er Offiziersschüler. Endlich ging sein Traum in Erfüllung.

Kolja diente im belarussischen Wizebsk in einem Fernmeldebataillon. Das bedeutet, er war für die Nachrichtenübermittlung innerhalb der Truppe zuständig. Die ganze Familie freute sich, dass Kolja endlich das tun durfte, was er wollte.

Foto von Kolja als Offiziersschüler
Kolja in seiner Uniform der Militärschule. Das Foto wurde am 10. Januar 1941 aufgenommen. Nur neun Monate war Kolja Soldat, dann geriet er in Kriegsgefangenschaft.
Kriegseinsatz

Am 22. Juni 1941 griff die deutsche Wehrmacht die Sowjetunion an. Kolja und die anderen Soldaten im belarussischen Wizebsk befanden sich plötzlich in Frontnähe. Sie waren auch mit die ersten, die an der Front kämpfen sollten. Kurz darauf wurde Koljas Militäreinheit in Richtung Minsk geschickt. Wahrscheinlich sollten die Soldaten bei der Verteidigung der belarussischen Hauptstadt helfen. Doch sie kamen zu spät: Minsk war bereits sechs Tage nach Kriegsausbruch von deutschen Truppen erobert worden. Kurz darauf, am 2. Juli 1941, geriet Kolja in deutsche Gefangenschaft und kam in ein Kriegsgefangenenlager. Nun schwebte Kolja in Lebensgefahr, denn die deutsche Propaganda bezeichnete sowjetische Kriegsgefangene als »slawische Untermenschen« und »rassisch minderwertig«.

Was hätte Kolja als Kriegsgefangener für Rechte gehabt?

Foto von Gefangenen russischen Soldaten in Minsk
Gefangene russische Soldaten in Minsk, 2. Juli 1941. Dieses Foto wurde genau am Tag von Koljas Gefangennahme aufgenommen. Für sowjetische Kriegsgefangene bedeutete die Gefangenschaft Sklaverei und oft den Tod
Welchen Schutz hätten Kriegsgefangene gehabt?

1929 wurde in Genf ein Abkommen unterzeichnet, die »Zweite Genfer Konvention«. Die unterzeichnenden Länder verpflichteten sich darin, im Falle eines Krieges mit Kriegsgefangenen anständig umzugehen. Laut Abkommen war es verboten, gefangene Soldaten der gegnerischen Seite zu »unzuträglichen und gefährlichen Arbeiten zu verwenden«. Das bedeutet: Kriegsgefangene sollten keine schwere Zwangsarbeit leisten, und schon gar nicht, wenn diese den Kriegszwecken des Feindes diente. Zudem hatten die Kriegsgefangenen das Recht auf medizinische Versorgung und ausreichende Verpflegung.

Was geschah stattdessen?

Insgesamt gerieten von 1941 bis 1945 mehr als fünf Millionen sowjetische Militärangehörige in deutsche Gefangenschaft. Etwa drei Millionen von ihnen überlebten nicht. Fehlende medizinische Versorgung, Unterernährung und Krankheiten verursachten ein Massensterben.

Zwangsarbeit

Die überlebenden Kriegsgefangenen mussten ab 1942 Zwangsarbeit in deutschen Industrie- und Rüstungsbetrieben oder im Bergbau leisten. Ihre Arbeitskraft sollte die im Krieg stehenden deutschen Männer ersetzen. Zehntausende Kriegsgefangene wurden jedoch auch in deutschen Konzentrationslagern erschossen. Mit all diesen Maßnahmen verstieß die deutsche Reichsführung also gegen bestehendes Völkerrecht.

Ein Zettel wie dieser bestätigte: Kolja war offiziell »verschollen«

Benachrichtigung an die Familie eines verschwundenen russischen Soldaten
Solch eine Benachrichtigung bekamen die Verwandten der verschollenen, ermordeten, verwundeten oder in Folge einer Verwundung gestorbenen Soldaten der Roten Armee. Es handelt sich hierbei nicht um die Benachrichtigung, die Koljas Verwandten bekamen.

Kolja geriet bereits zehn Tage nach Kriegsausbruch in deutsche Gefangenschaft. Im Dezember 1941 bekam seine Familie eine Benachrichtigung mit folgendem Text:

»Naumow Nikolaj Alexandrowitsch, geboren in Kirschatsch, Gebiet Iwanowo, im Kampf für die sozialistische Heimat, dem Militäreid treu geblieben, zeigte Heroismus und Mut, ist seit Dezember 1941 verschollen«.

Mehr erfuhren Koljas Verwandten nicht, und auch das angegebene Datum auf dem Zettel war falsch. Koljas Mutter und seine Schwestern starben, ohne je wieder etwas von ihm gehört zu haben.

Auch Koljas bester Freund geriet 1941 in Gefangenschaft

Foto von Kolja und seinem besten Freund
Kolja Naumow (links) und sein bester Freund Kolja Kossolapow im Sommer 1941 in Kirschatsch

Kolja kannte seinen besten Freund seit der Kindheit, denn er war sein Nachbar. Die Jungen trugen denselben Namen, Nikolaj, sie wurden beide Kolja gerufen und waren im selben Jahr (1920) geboren worden. Als der Krieg begann, wurde auch Koljas bester Freund Kolja Kossolapow in die Armee einberufen. Er diente als Schütze in der Nähe von Murmansk, einer Stadt im Norden Russlands: Seine Militäreinheit wurde bei der Verteidigung des Polargebietes eingesetzt.

Gefangen

In der Nähe der russisch-finnischen Grenze geriet Nikolaj Kossolapow am 1. September 1941 in Kriegsgefangenschaft und verbrachte drei Jahre als Zwangsarbeiter im deutsch besetzten Norwegen. Insgesamt mussten dort etwa tausend sowjetische Kriegsgefangene Zwangsarbeit leisten. Koljas bester Freund hatte Glück im Unglück: Er wurde 1944 befreit und konnte in seine Heimatstadt Kirschatsch zurückkehren.

Foto einer Schraube, Symbolbild Kapitel 3, von Christin Franke
Kapitel 3
Kolja musste für den Feind arbeiten.
Man sieht Kolja seine Wut an
Letztes Foto von Kolja im Stammlager Mühlberg

Nummer 114406. Auf dem Foto kann man deutlich erkennen, was Kolja davon hielt, in deutscher Kriegsgefangenschaft zu sein und eine Nummer zu bekommen. Finster blickt er in die Kamera, als wolle er den Fotografen am liebsten verprügeln.

Etwa einen Monat nach seiner Gefangennahme bei Minsk, am 11. August 1941, war Kolja in einem deutschen Kriegsgefangenenlager eingetroffen. Im Stammlager (Stalag) IV B Mühlberg wurde auch eine Personalkarte für ihn ausgefüllt. Koljas persönliche Daten, der Ort seiner Gefangennahme und sein Gesundheitszustand wurden vermerkt. Außerdem wurde ein Fingerabdruck von ihm genommen. Was Kolja dachte und fühlte, weiß niemand.

Zwangsarbeit

Kolja war jung, kräftig und bei guter Gesundheit. Wie viele andere sowjetische Kriegsgefangene musste er daher körperliche Schwerstarbeiten verrichten. Ein halbes Jahr war Kolja als Zwangsarbeiter im »Kommando Oschatz« eingesetzt. Was genau er dort machen musste, ist nicht bekannt. Vielleicht in einem Steinbruch arbeiten, vielleicht Straßen bauen, vielleicht auch viele Stunden täglich an einem Fließband stehen.

Im Februar 1942 wurde Kolja in das »Kommando Leipzig-Ost« versetzt. Von nun an sollte er bei den »Mitteldeutschen Motorenwerken« arbeiten. Dieser Betrieb stellte verschiedene Typen von Flugmotoren her, die später in Flugzeuge eingebaut wurden. Und diese Flugzeuge wiederum wurden von der deutschen Luftwaffe benutzt, um andere Länder anzugreifen.

Koljas gesamtes Leben passte auf ein Blatt Papier

Vorderseite der Personalkarte von Kolja
Vorderseite der Personalkarte von Kolja

Die Personalkarte, die wir hier sehen, ist teilweise auf Deutsch und teilweise in russischer Sprache ausgefüllt. Wahrscheinlich musste Kolja das Blatt Papier selber beschriften, obwohl er gar kein Deutsch konnte und normalerweise in kyrillischen Buchstaben schieb. Das würde auch die ungelenke Schrift und die Rechtschreibfehler erklären.

Was weiß man über Kolja?

Kolja schrieb, dass er am 7. November 1920 in Kirschatsch geboren wurde und dem christlichen, russisch-orthodoxen Glauben angehörte. Er war 178 Zentimeter groß und blond. Als zu benachrichtigende Person gab Kolja den Namen seiner Mutter – Glafira Alexandrowna Naumowa – und ihre Adresse in Kirschatsch an. Anschließend wurde die Personalkarte mit Koljas Fingerabdruck, seiner Lagernummer und einem Foto von ihm versehen.



Impfungen und medizinische Behandlungen im Lager wurden auf der Rückseite der Personalkarte vermerkt. So ist zum Beispiel zu lesen, dass Kolja nur eine Woche im Kriegsgefangenenlager (Stalag IV B Mühlberg) blieb und gegen Pocken geimpft wurde.

Kolja war einer von Tausenden Kriegsgefangenen, die ausgebeutet wurden

Foto einer Wachablösung vor dem Haupteingang zum Stammlager IVB
Wachablösung vor dem Haupteingang zum Stalag IVB. Das Stammlager (kurz: Stalag) befand sich in Sachsen. Es wurde 1939 von der deutschen Wehrmacht eingerichtet. Während des Zweiten Weltkrieges diente das Lager ausschließlich zur Unterbringung von Kriegsgefangenen unterschiedlicher Nationalitäten.
Zwangsarbeit

Mühlberg diente, wie andere Stammlager auch, als Durchgangsstation. Von dort aus wurden die Kriegsgefangenen auf unterschiedliche Industriebetriebe und Außenkommandos verteilt. Dort mussten sie Zwangsarbeit leisten und Güter für den deutschen Krieg produzieren. Sie waren sehr günstige Arbeitskräfte und ersetzten die deutschen Arbeiter, die als Soldaten im Krieg waren. So konnte die deutsche Industrie weiter funktionieren.

Lebensbedingungen

Aufgrund eines weit verbreiteten antislawischen Rassismus waren die sowjetischen Kriegsgefangenen unter besonders menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht. Weder bekamen sie Geld für ihre Arbeit noch wurden sie ausreichend verpflegt. Viele starben an Entkräftung und an Unterernährung. Insgesamt kamen im Kriegsgefangenenlager Mühlberg etwa 3.000 ausländische Soldaten ums Leben, davon waren 2.350 sowjetischer Herkunft. Die sowjetischen Kriegsgefangenen wurden meist in Massengräbern, die Angehörigen anderer Nationen in Einzelgräbern bestattet. Am 23. April 1945 befreiten Angehörige der Roten Armee das Lager.

Nach der Befreiung

Nach dem Krieg richtete die sowjetische Verwaltung auf dem Gelände das Speziallager Nr. 1 Mühlberg ein, das bis 1948 bestand. Der sowjetische Geheimdienst NKWD internierte dort vor allem mutmaßliche Kriegsverbrecher, Mitglieder der NSDAP sowie ehemalige Offiziere der Wehrmacht. Jedoch wurden dort auch viele Deutsche inhaftiert, gegen die es keinen spezifischen Vorwurf gab oder deren Vorwurf nicht erwiesen war.

Von den insgesamt 21.000 Insassen starben ungefähr 6.300 aufgrund der katastrophalen Versorgung, an Hunger und Krankheiten. Dies lag zum einen an dem allgemeinen Mangel nach Kriegsende, zum anderen aber auch an der schlechten Behandlung. Es gab jedoch keine Zwangsarbeit und Morde an Gefangenen.

Hier findest du noch mehr Informationen zu Mühlberg: http://www.lager-muehlberg.de.

Kolja musste mit seiner Arbeit den Krieg der Deutschen unterstützen

Foto von Flugmotoren in den »Junkers Flugzeug- und Motorenwerken« in Dessau
Einbau von Kurbelwellen in Flugmotoren in den »Junkers Flugzeug- und Motorenwerken«, Dessau 1940. Die »Mitteldeutschen Motorenwerke«, in denen Kolja arbeiten musste, stellten die gleichen Motoren her.

Ab Februar 1942 arbeitete Kolja über ein Jahr lang bei den Mitteldeutschen Motorenwerken in der Nähe von Leipzig. Der Großbetrieb stellte seit 1937 Motoren für Kampfflugzeuge der Marke Junkers her. Während des Zweiten Weltkrieges beschäftigten die Werke mehr als 10.000 Arbeiter/-innen, darunter massenhaft Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter/-innen aus den besetzten Gebieten Europas.



1944 wurden die Fabriken durch Bombenangriffe so stark beschädigt, dass dort nicht mehr gearbeitet werden konnte. Zu diesem Zeitpunkt war Kolja bereits seit einem Jahr tot.

Foto einer vertrockneten Pflanze, Symbolbild Kapitel 4, von Christin Franke
Kapitel 4
Kolja war krank, doch die Ärzte weigerten sich, ihn krank zu schreiben.
Rückseite der Personalakte von Kolja
Zu sehen ist die Rückseite der Personalkarte des sowjetischen Kriegsgefangenen Kolja Naumow. In ihr sind Koljas Arbeitseinsätze, seine Krankheit und die Verlegung in ein Lazarett vermerkt.

Erst wenige Monate arbeitete Kolja in den »Mitteldeutschen Motorenwerken«, da erkrankte er plötzlich schwer. Er bekam immer schlechter Luft, jede Bewegung verursachte Atemnot. Eine Lungenerkrankung?

Auf Koljas Personalkarte ist vermerkt, dass seine Lunge am 6. Juli 1942 geröntgt wurde. Wie diese Untersuchung ausging, ist nicht bekannt. Es lässt sich aber vermuten, dass Kolja an einer Tuberkulose litt. Das war eine unter Kriegsgefangenen weit verbreitete Krankheit, die oft tödlich endete.

»Gesund genug, um zu arbeiten«

Offensichtlich befanden die Ärzte jedoch, dass Kolja gesund genug war, um als »arbeitsfähig« zu gelten. Erst ein Dreivierteljahr später, am 24. März 1943 wurde er endgültig in das Kriegsgefangenenlazarett Zeithain eingeliefert. Wahrscheinlich hatte sich seine Lungenkrankheit derartig verschlechtert, dass er nun überhaupt nicht mehr in der Lage war zu arbeiten. Oder hatte er sich bei der Arbeit an den Maschinen verletzt?

Todesurteil: Krankenhaus

Koljas Einlieferung in das Krankenhaus kam einem Todesurteil gleich: Aufgrund ständiger Unterernährung, mangelhafter medizinischer Betreuung und ansteckender Krankheiten war die Sterblichkeit unter den Gefangenen sehr hoch. Schwer kranke Kriegsgefangene kamen nicht ins Lazarett, um dort versorgt und geheilt zu werden: Sie wurden dorthin verlegt, um zu sterben.

Auch Kolja verließ das Krankenhaus nicht mehr. Er starb genau fünf Monate nach seiner Einlieferung, am 24. August 1943. Seine genaue Todesursache ist nicht bekannt. Einen Tag später wurde der 22-Jährige in einem Massengrab beerdigt.

An was für einem Ort war Kolja in seinen letzten Lebensmonaten?

Postkarte vom Truppenübungsplatz Zeithain
Vor 1941 war Zeithain ein Truppenübungsplatz. Mit dem Angriff auf die Sowjetunion wurde dieser zum Kriegsgefangenenlager umfunktioniert. Postkarte mit der Aufschrift »Gruß vom Truppenübungsplatz Zeithain«, vor 1941

Zeithain ist ein kleiner Ort in Sachsen. In den 1930er Jahren gab es dort einen Übungsplatz für deutsche Soldaten. Doch bereits im April 1941, noch vor dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion, wurde das Gelände mit Stacheldraht abgesperrt. Das Oberkommando der Wehrmacht suchte einen Ort, an dem man sowjetische Kriegsgefangene unterbringen wollte.

Wie wohnten die Kriegsgefangenen?

Als im Juli die ersten sowjetischen Kriegsgefangenen ankamen, war im Lager noch keine einzige fertig gestellte Baracke. Ohne Schutz vor Regen oder Sonne mussten sie im Freien schlafen und den Aufbau selbst übernehmen. Zunächst sollten aber feste Unterkünfte für die Wachmannschaften errichtet werden. Erst im September 1941 durften die Kriegsgefangenen Baracken für sich selbst aufstellen. Nach über einem Jahr, Ende 1942, war der Aufbau des Lagers Zeithain (Stalag IV H) schließlich beendet.

Was passierte dort mit ihnen?

In Zeithain wurden neuankommende Kriegsgefangene in Gruppen aufgeteilt: Arbeitsunfähige blieben im Lager, die anderen wurden auf Arbeitskommandos verteilt. Im Februar 1943 wurde das gesamte Kriegsgefangenenlager Zeithain in ein Lazarett umgewandelt. Sowjetische Zwangsarbeiter, die sich verletzt hatten oder schwer erkrankt waren, wurden dorthin gebracht. Auch Kolja wurde im März 1943 nach Zeithain verlegt.

Das Kriegsgefangenenlazarett Zeithain galt als Sterbelager

Foto vom Transport eines kranken sowjetischen Kriegsgefangenen, Zeithain 1941/42
Transport eines kranken sowjetischen Kriegsgefangenen, Zeithain 1941/42

Zeithain war für viele sowjetische Kriegsgefangene die letzte Station vor ihrem Tod. Wer in Arbeitskommandos verunglückte oder schwer erkrankte, gelangte dorthin. Meist waren die Menschen dann schon völlig unterernährt, die schwere Zwangsarbeit hatte ihnen alle Kräfte geraubt.

Der 18.868ste Tote im Lager Zeithain

Dies führte dazu, dass sich die Lungenkrankheit Tuberkulose immer weiter ausbreitete. Die Zahl der Erkrankten stieg an. Täglich starben etwa zehn bis zwanzig Gefangene. Kolja war laut Eintrag auf seiner Personalkarte der 18.868ste Tote im Lager Zeithain. Insgesamt kamen dort etwa 30.000 Menschen ums Leben. Als das Lager am 23. April 1945 von der Roten Armee befreit wurde, hörte das Sterben nicht auf: Noch Wochen danach starben befreite Gefangene an den Folgen ihrer Internierung.

Foto zweier sich berührender Kabel, Symbolbild Kapitel 5,  von Christin Franke
Kapitel 5
Kolja zu finden war das erklärte Ziel seiner beiden Nichten.

Ein unbekannter Onkel

Foto von Koljas Nichte Irina
Foto von Kolja mit seinem Vater
Klassenbild von Kolja
Foto von Kolja mit seinem besten Freund
Foto von Kolja (rechts) mit seiner Schwester Maria und seiner Mutter
Foto von Koljas Mutter und seiner Schwester
Foto von Koljas Nichte Natalja, auf einem Pferd reitend

Koljas Nichten Irina und Natalja hatten ihren Onkel nie gesehen. Sie kannten ihn nur aus den Erzählungen ihrer Mutter. Auch Koljas bester Freund Kolja sprach ständig von ihm. Alle hofften, er würde eines Tages doch noch in die Sowjetunion zurückkehren. Doch vergeblich. Die Jahre zogen ins Land und die Nachforschungen verliefen im Sande. Kolja blieb verschollen.

Schließlich starben Koljas Mutter und seine beiden Schwestern. Sie hatten nie in Erfahrung bringen können, was mit dem jungen Soldaten nach seiner Gefangennahme passiert war.

Sechzig Jahre lang dauerte die Suche nach Koljas Überresten

Doch Irina und Natalja gaben nicht auf. Eines Tages, über sechzig Jahre nach Koljas Verschwinden, gelangten die Nichten im Internet auf die richtige Spur. Im Jahr 2006 fanden sie in einer Datenbank Koljas Namen. Nun hatten sie endlich Gewissheit: Ihr Onkel war in einem deutschen Kriegsgefangenenlazarett gestorben.

Irina und Natalja hielt nichts mehr: Sie wollten unbedingt mehr herausfinden. Die beiden alten Damen beschlossen, nach Deutschland zu reisen und Koljas Grab zu suchen. Im Gepäck hatten sie ein Fotoalbum mit Bildern von Kolja aus der Zeit vor dem Krieg.

Das Fotoalbum barg einen kleinen Schatz

Foto von Koljas bestem Freund im Jahr 2008
Erst als alter Mann erfuhr Nikolaj Kossolapow, genannt Kolja, was mit seinem besten Freund Kolja geschehen war. Hier ist er im Jahr 2008 mit 88 Jahren zu sehen. Die beiden Koljas waren Nachbarn und wurden im selben Jahr geboren.

Irina und Natalja trafen sich 2010 mit Mitarbeitenden der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain in Sachsen. In diesem Jahr wäre Kolja neunzig Jahre alt geworden. Die Mitarbeitenden erzählten ihnen, dass Kolja am 24. August 1943 im Lazarett gestorben war, wahrscheinlich an einer Lungenerkrankung.

Ein unbekannter Soldat bekommt eine Geschichte

Zwar hatten die Nichten ihren Onkel nie gesehen, doch sie konnten einiges über ihn erzählen. So geschah etwas sehr Seltenes: Wichtige Einzelheiten aus dem Leben eines der 30.000 in Zeithain verstorbenen Kriegsgefangenen wurden bekannt. Und nicht nur das: Irina und Natalja hinterließen der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain sogar das Fotoalbum mit den Familienfotos. Auf einem der Fotos ist Koljas bester Freund zu sehen, der ein hohes Alter erreichte.
Auf die Rückseite schrieben die Nichten eine Nachricht an ihren verstorbenen Onkel:

»Kolja, das ist dein Freund, Kolja Kossolapow. Er überlebte die dreijährige faschistische Gefangenschaft. Hier ist er 88 Jahre alt. Am 3. Mai 2010 feierten wir seinen 90. Geburtstag. Wir erinnerten uns gemeinsam an dich. Wenn es keinen Krieg gegeben hätte, vielleicht hättest du diesen Geburtstag ebenfalls feiern können. […] Deine Nichten Irina und Natalja«

Wo liegt Kolja begraben?

Foto des ehemaligen »Russenfriedhofs«
Auf dem sogenannten »Russenfriedhof« wurden Tausende von Kriegsgefangenen in Massengräbern verscharrt. Heute markiert ein Denkmal diesen Ort.

Kolja wurde einen Tag nach seinem Tod, am 25. August 1943, auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Zeithain begraben. Auf seiner Personalkarte wurden genaue Angaben zur Grablage vermerkt: Parzelle 58, Block I, Reihe 10. Der genaue Ort, an dem Kolja begraben liegt, ist heute trotzdem nicht mehr festzustellen: Die entsprechenden Friedhofspläne sind nicht mehr vorhanden. Dass es überhaupt Angaben zu Koljas Tod gibt, ist bereits ein kleines Wunder. In vielen Fällen starben sowjetische Kriegsgefangene oder sie wurden ermordet, ohne dass man sich die Mühe machte, Details aufzuschreiben. So erfuhren Koljas Nichten wenigstens den Zeitpunkt seines Todes und den ungefähren Ort seines Grabes.

Dieses Portal bewacht die Ruhe von Tausenden von Toten

Foto vom Eingang zur Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain
Der Eingang zur Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain

1946 beschloss die Sowjetische Militärverwaltung, zum Gedenken an die Opfer einen provisorischen Friedhof anzulegen. Seit 1948/49 gibt es das große Eingangstor, das auf dem Foto abgebildet ist. Es bildet den Eingang zum Ehrenhain. Im Jahr 1985 errichtete die DDR-Regierung auf dem Friedhof Ehrenhain Zeithain eine Gedenkstätte.

Im Jahr 2000 begann ein Projekt zur Digitalisierung von Personalunterlagen sowjetischer Kriegsgefangener. So entstand das Totenbuch, in dem Irina und Natalja den Namen ihres Onkels Kolja fanden.

Kolja Naumow

* Geboren 3. November 1920 (Kirschatsch, Russland) - Gestorben 24. August 1943
Foto eines Türriegels, Symbolbild Kapitel 1, von Christin Franke
Dieses Foto wurde in den Beelitz-Heilstätten aufgenommen, heute eine Ruine. Im Zweiten Weltkrieg diente Beelitz als Krankenhaus für verwundete deutsche Soldaten. Nach 1945 übernahm die Rote Armee die Heilstätten. Bis 1994 war Beelitz das größte Militärkrankenhaus der sowjetischen Armee außerhalb der Sowjetunion.
© Christin Franke
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Foto von Kolja und seiner Schwester Maria
Kolja (sitzend) und seine Schwester Maria, 1928. Die Treppe führt zu dem Haus, in dem sie lebten. Zwei Jahre später durften die Geschwister es nicht mehr betreten.
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Foto des Geburtshauses von Kolja
Das Haus von Alexander Naumow, Koljas Vater, in Kirschatsch. Hier wurde Kolja geboren.
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Foto einer Parade im Rahmen der Entkulakisierung
Parade im Rahmen der Entkulakisierung. Die Banneraufschriften lauten: »Wir werden die Kulaken als Klasse liquidieren« und »Alles für den Kampf gegen die Saboteure der Landwirtschaft«.
© Wikimedia Commons
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Foto von Koljas Vater
Koljas Vater Alexander Alexandrowitsch Naumow mit 27 Jahren, 1907
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Dokument über die erfolgreich abgeschlossene Ausbildung zum Schlosser für Reparaturen von Pressmaschinen
Nachweis über die erfolgreich abgeschlossene Ausbildung zum Schlosser für Reparaturen von Pressmaschinen, erworben nach einer Fabrik- und Betriebslehre im Betrieb »Roter Oktober« in Kirschatsch
© Archiv der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain
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Foto eines Strickes, Symbolbild Kapitel 2, von Christin Franke
Dieses Foto wurde in den Beelitz-Heilstätten aufgenommen, heute eine Ruine. Im Zweiten Weltkrieg diente Beelitz als Krankenhaus für verwundete deutsche Soldaten. Nach 1945 übernahm die Rote Armee die Heilstätten. Bis 1994 war Beelitz das größte Militärkrankenhaus der sowjetischen Armee außerhalb der Sowjetunion.
© Christin Franke
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Foto von Kolja als Offiziersschüler
Kolja in seiner Uniform der Militärschule. Das Foto wurde am 10. Januar 1941 aufgenommen. Nur neun Monate war Kolja Soldat, dann geriet er in Kriegsgefangenschaft.
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Foto von Gefangenen russischen Soldaten in Minsk
Gefangene russische Soldaten in Minsk, 2. Juli 1941. Dieses Foto wurde genau am Tag von Koljas Gefangennahme aufgenommen. Für sowjetische Kriegsgefangene bedeutete die Gefangenschaft Sklaverei und oft den Tod
© Bundesarchiv, Bild 146-1982-077-11
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Benachrichtigung an die Familie eines verschwundenen russischen Soldaten
Solch eine Benachrichtigung bekamen die Verwandten der verschollenen, ermordeten, verwundeten oder in Folge einer Verwundung gestorbenen Soldaten der Roten Armee. Es handelt sich hierbei nicht um die Benachrichtigung, die Koljas Verwandten bekamen.
© Miron (Meer) Goykhman
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Foto von Kolja und seinem besten Freund
Kolja Naumow (links) und sein bester Freund Kolja Kossolapow im Sommer 1941 in Kirschatsch
© Archiv der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain
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Foto einer Schraube, Symbolbild Kapitel 3, von Christin Franke
Dieses Foto wurde in den Beelitz-Heilstätten aufgenommen, heute eine Ruine. Im Zweiten Weltkrieg diente Beelitz als Krankenhaus für verwundete deutsche Soldaten. Nach 1945 übernahm die Rote Armee die Heilstätten. Bis 1994 war Beelitz das größte Militärkrankenhaus der sowjetischen Armee außerhalb der Sowjetunion.
© Christin Franke
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Letztes Foto von Kolja im Stammlager Mühlberg
Dies ist das letzte Foto von Kolja. Es wurde am 11. August 1941 für seine Personalkarte im Stammlager (Stalag) IV B Mühlberg aufgenommen.
© Archiv der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain
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Vorderseite der Personalkarte von Kolja
Vorderseite der Personalkarte von Kolja
© Archiv der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain
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Foto einer Wachablösung vor dem Haupteingang zum Stammlager IVB
Wachablösung vor dem Haupteingang zum Stalag IVB. Das Stammlager (kurz: Stalag) befand sich in Sachsen. Es wurde 1939 von der deutschen Wehrmacht eingerichtet. Während des Zweiten Weltkrieges diente das Lager ausschließlich zur Unterbringung von Kriegsgefangenen unterschiedlicher Nationalitäten.
© Initiativgruppe Lager Mühlberg e.V.
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Foto von Flugmotoren in den »Junkers Flugzeug- und Motorenwerken« in Dessau
Einbau von Kurbelwellen in Flugmotoren in den »Junkers Flugzeug- und Motorenwerken«, Dessau 1940. Die »Mitteldeutschen Motorenwerke«, in denen Kolja arbeiten musste, stellten die gleichen Motoren her.
© Bundesarchiv, Bild 146-2005-0015; Fotograf: o. Ang.
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Foto einer vertrockneten Pflanze, Symbolbild Kapitel 4, von Christin Franke
Dieses Foto wurde in den Beelitz-Heilstätten aufgenommen, heute eine Ruine. Im Zweiten Weltkrieg diente Beelitz als Krankenhaus für verwundete deutsche Soldaten. Nach 1945 übernahm die Rote Armee die Heilstätten. Bis 1994 war Beelitz das größte Militärkrankenhaus der sowjetischen Armee außerhalb der Sowjetunion.
© Christin Franke
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Rückseite der Personalakte von Kolja
Zu sehen ist die Rückseite der Personalkarte des sowjetischen Kriegsgefangenen Kolja Naumow. In ihr sind Koljas Arbeitseinsätze, seine Krankheit und die Verlegung in ein Lazarett vermerkt.
© Archiv der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain
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Postkarte vom Truppenübungsplatz Zeithain
Vor 1941 war Zeithain ein Truppenübungsplatz. Mit dem Angriff auf die Sowjetunion wurde dieser zum Kriegsgefangenenlager umfunktioniert. Postkarte mit der Aufschrift »Gruß vom Truppenübungsplatz Zeithain«, vor 1941
© gemeinfrei
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Foto vom Transport eines kranken sowjetischen Kriegsgefangenen, Zeithain 1941/42
Transport eines kranken sowjetischen Kriegsgefangenen, Zeithain 1941/42
© Archiv der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain
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Foto zweier sich berührender Kabel, Symbolbild Kapitel 5,  von Christin Franke
Die beiden sich berührenden Kabel stehen dafür, dass Koljas Nichten sein Grab mithilfe des Internets fanden. Dieses Foto wurde in den Beelitz-Heilstätten aufgenommen, heute eine Ruine. Im Zweiten Weltkrieg diente Beelitz als Krankenhaus für verwundete deutsche Soldaten. Nach 1945 übernahm die Rote Armee die Heilstätten. Bis 1994 war Beelitz das größte Militärkrankenhaus der sowjetischen Armee außerhalb der Sowjetunion.
© Christin Franke
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Foto von Koljas Nichte Irina
Koljas Nichte Irina, im Jahr 1969 auf der Halbinsel Krim. Sie hat ihren Onkel nie kennengelernt, dennoch gab sie die Suche nicht auf.
© Archiv der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain
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Foto von Kolja mit seinem Vater
Kolja mit seinem Vater, 1924
© Archiv der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain
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Klassenbild von Kolja
Kolja 1932 (in der zweiten Reihe von oben, der Zweite von links)
© Archiv der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain
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Foto von Kolja mit seinem besten Freund
Freunde: Kolja Naumow (rechts) und Kolja Kossolapow, 1940
© Archiv der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain
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Foto von Kolja (rechts) mit seiner Schwester Maria und seiner Mutter
Kolja (rechts), seine Mutter und seine Schwester Maria, 3. November 1930
© Archiv der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain
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Foto von Koljas Mutter und seiner Schwester
Die Mutter von Kolja (unten) und seine Schwester Maria, Juni 1945
© Archiv der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain
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Foto von Koljas Nichte Natalja, auf einem Pferd reitend
Koljas Nichte Natalja im Kaukasus, 1980
© Archiv der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain
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Foto von Koljas bestem Freund im Jahr 2008
Erst als alter Mann erfuhr Nikolaj Kossolapow, genannt Kolja, was mit seinem besten Freund Kolja geschehen war. Hier ist er im Jahr 2008 mit 88 Jahren zu sehen. Die beiden Koljas waren Nachbarn und wurden im selben Jahr geboren.
© Archiv der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain
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Foto des ehemaligen »Russenfriedhofs«
Auf dem sogenannten »Russenfriedhof« wurden Tausende von Kriegsgefangenen in Massengräbern verscharrt. Heute markiert ein Denkmal diesen Ort.
© Archiv der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain
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Foto vom Eingang zur Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain
Der Eingang zur Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain
© Wikimedia Commons, Fotograf: Lutz Bruno, 5.10.2009
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